Die Sunflower Philosophie … was sie kann, woher sie kommt

Juni 9, 2007 7:47 pm Conzett

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Hinter dem MoneyMuseum steht als Trägerstiftung die Sunflower Foundation. Deren Name ist nicht zufällig zustande gekommen. Er drückt die Philosophie aus, auf der das MoneyMuseum wie überhaupt das Wirken von Jürg Conzett, dem Gründer der Stiftung, beruhen. Die Sunflower, die Sonnenblume, steht für Grosszügigkeit, Balance, Harmonie und Überfluss im positiven Sinn, aber auch für Zufall und Individualität.

Jürg Conzett ist ein grosszügiger Mensch – aus Überzeugung, aber nicht aus Berechnung. Er war zeit seines Lebens auf der Suche nach ausgeglichenen Beziehungen und Partnerschaften, in denen alles Geben und Nehmen auf Gegenseitigkeit beruht. Wenn zwei Geschäftsleute zueinander passen, so ist er überzeugt, führt diese Balance zu einer Spirale, die beiden Partnern zum Erfolg verhilft. Grosszügigkeit darf aber nicht gezielt und berechnend eingesetzt werden. Wie die Sonnenblume ihre Samen zahlreich und zufällig streut, ist auch Geschäftserfolg etwas, was einem zu-fällt, ohne dass man zum Voraus wissen kann, woher.

Die Mittel, die für das MoneyMuseum eingesetzt werden, hat Jürg Conzett grösstenteils an Finanzmärkten erwirtschaftet. Er verwendet dabei ein Finanzwerkzeug, das auf mathematischen Algorithmen beruht. Davon war Jürg Conzett bereits als Schüler fasziniert: Über die Fibonacci-Folge oder den Goldenen Schnitt in Natur, Architektur oder Musik sammelte er eine ganze Reihe von Büchern. Wie in der Musik, ging ihm dabei auf, finden sich auch im Finanzmarkt Zyklen, Wiederholungen, Umkehrungen und Variationen.

Auch die Sonnenblume baut auf einem mathematischen Algorithmus auf: Die Samen ihres Blütenkopfes sind in zwei Gruppen von Spiralreihen angeordnet, welche der Fibonacci-Reihe folgen – 34 Samen auf der einen, 55 auf der anderen Seite.

Jürg Conzett ist ein Beobachter. Um die nötige Geduld zum Beobachten der Finanzmärkte aufzubringen und gleichzeitig seine Aufmerksamkeit zu schärfen, nahm er zum Beispiel seine Münzsammlung zur Hand, die er als Kind geschenkt erhalten hatte, und fragte eine befreundete Numismatikerin, ob sie ihm damit zur Hand gehen wolle. So entstand die Idee für das MoneyMuseum – zufällig fast, vielleicht aus einem gewissen Spieltrieb heraus. Jürg Conzetts Interesse galt dabei von Beginn an den Prozessen, der Bedeutung des Geldes; die Münzen waren ihm immer nur Symbol.

Gegenüber Statischem ist er misstrauisch; konservieren hat für ihn etwas mit verfaulen zu tun. Die Tendenz zu Neuem, Eigenem, Individuellem ist ihm wichtig. Als in den achtziger Jahren die Chaosforschung aufkam, sah er sich bestätigt: Das fraktale Wachstum, in dem das Individuelle stets präsent ist, war ihm vertraut. Er macht noch heute lieber etwas Eigenes und nimmt die Gefahr auf sich, damit falsch zu liegen, als dass er es richtig macht, aber lediglich kopiert. Auch hier ist ihm die Sonnenblume, wo jedes einzelne Exemplar von den anderen abweicht, ein Vorbild.

Die Sunflower-Idee ist kein abgeschlossenes System, keine Systemtheorie, auch kein Erfolgsrezept. Obschon der Erfolg nicht ausblieb, bezeichnet Jürg Conzett die Sunflower-Idee als Philosophie, als Einstellung, von der er sich auch nicht abgewandt hätte, nicht hätte abwenden können, wenn sie ihm keinen Erfolg gebracht hätte. Am wichtigsten ist, davon ist er überzeugt, dass überhaupt eine Philosophie hinter der Aktivität an den Finanzmärkten steht. Die Vorstellung, Aktien zu kaufen, um allein und ausschliesslich einen Profit zu generieren, ist ihm ein Gräuel. Jürg Conzett will vielmehr Freude an der Firma oder an deren Produkt haben, und er will immer genau wissen, weshalb er eine Aktie im Portefeuille hat. Ein neues und sozial positives Produkt muss es sein, etwas, was auch der Allgemeinheit zukommt.

Im Wachstum liegt Fluss, nicht Statik. Im Wachstum liegen auch die Algorithmen. Eine Blume wächst nicht nach einem vorhandenen Masterplan, sondern entsteht vorweg und stetig, indem die letzten Positionen die nächste bestimmen. Selbst die neuronalen Netzwerke, von denen man in den achtziger Jahren auch im Zusammenhang mit der Finanzwelt sprach, waren so komplex, dass ein Programmierer nicht mehr überblicken konnte, was er programmiert hatte. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Titel eines Buchs von György Doczi, der aufzeigt, wie sich einfache Ordnungsmuster in der Natur immer wiederholen. Es heisst „The Power of Limits“; die Macht oder die Kraft der Grenzwerte. Grenzwert meint „an der Grenze zwischen zwei Kräften“. Das ist der algorithmische Ansatz, der aus ganz einfachen Schritten besteht, die auf null führen oder in die Unendlichkeit, wie die Mandelbrotmännchen, − und ganz wenige führen zur Stabilität. Darum geht es Jürg Conzett: den Algorithmus zu finden, der, auf die Finanzwelt angewendet, zu Stabilität führt.

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