Fibonacci auf dem Aktienmarkt

Juni 2, 2007 5:02 pm Conzett

In den späten 1920er Jahren entwickelte der amerikanische Mathematiker Ralph Nelson Elliott eine Analyse des Aktienmarkts, die später als Theorie der Elliott-Wellen bezeichnet wurde. Elliott untersuchte insbesondere die psychologischen Aspekte des Käuferverhaltens und versuchte, Marktbewegungen durch massenpsychologische Muster zu erklären. Seine Wellentheorie behauptet, dass die Aktienpreise durch vorherbestimmte Zyklen gelenkt werden, die auf der Fibonacci-Folge beruhen. Während einer Hausse bewegen sich die Marktpreise demnach in fünf Wellen nach oben und in drei Wellen wieder etwas nach unten; bei einer Baisse verhält es sich umgekehrt.

Die Entdeckung der fraktalen Geometrie führte Ende der 1970er Jahre zu einer Wiederbelebung der Elliott-Wellen. Obschon die Theorie in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur umstritten ist, haben verschiedene ihrer Verfechter zutreffende Prognosen aufgestellt und damit auch der Theorie zu mehr Ansehen verholfen.

Betrachtet man Elliott-Wellen unter dem Blickwinkel der Chaostheorie, können unterschiedliche Zeitabschnitte als selbstähnlich interpretiert werden. Die Wellen – fünf aufwärts, drei abwärts – treten demnach nicht nur über einen längeren Zeitabschnitt, sondern jeden Tag, jede Stunde, jede Minute auf. Solche Modelle, sogenannte Marktfraktale, können gemäss neueren Forschungen als Messinstrumente für die gesellschaftliche und historische Entwicklung eines Landes dienen. Historische Entwicklungen und Ereignisse repräsentieren folglichmassenpsychologische Stimmungsschwankungen von Gesellschaften, die von aussen nicht zu beeinflussen sind. Bei korrekter Auswertung der Elliott-Wellen soll es sogar möglich sein, Voraussagen über die weitere geschichtliche, gesellschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes zu machen.

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