Kommen wir nochmals auf die Sunflower-Idee als Philosophie zurück. Jürg Conzett betrachtet die einzelnen Spiralen der Sonnenblume als Metapher für Personen. Personen mit Vorlieben, Fähigkeiten und Talenten. Wie eine Sonnenblume wächst und gedeiht, stellen sich auch beim Menschen Wachstum und Erfolg ein, wenn er seine Talente erkennt und fördert. Ganz egal, ob es sich um einen Tänzer, eine Künstlerin, einen Manager oder eine Wissenschaftlerin handelt: Wer sich bewusst ist, was er gerne tut und gut kann, wird erfolgreich sein, und der Erfolg wird immer neuen Erfolg mit sich bringen. Schon in der Bibel heisst es: „Jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben.“
Jürg Conzett hat sich die Frage gestellt, was es braucht, um seine Talente zu erkennen und zu entfalten. Er erklärt seine Überlegungen mit den drei Begriffen Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Fremdwertgefühl. Selbstbewusstsein besitzt derjenige, der über seine eigenen Anlagen nachdenkt: seine Herkunft, seine Geschichte, seine Wünsche und Sehnsüchte, seine Stärken und Talente, aber auch seine Schwächen und Unsicherheiten. Selbstbewusstsein entwickelt sich zu Selbstwertgefühl, wenn jemand nicht nur weiss, wer er ist, sondern auch zu sich steht – zu seinen Stärken und auch zu seinen Schwächen. Wer ein gutes Selbstwertgefühl hat, kann sich selbst sein, seine Fähigkeiten einbringen und sich austauschen. Erfolg bedingt aber noch einen dritten Aspekt, nämlich die Fähigkeit, den Nutzen der eigenen Talente für andere Personen zu erkennen – mit einem Wort: Fremdwertgefühl. Fremdwertgefühl erfordert viel Einfühlungskraft: Man muss wissen, was den andern bewegt, welche Bedürfnisse er hat.
Wie im Blütenkopf einer Sonnenblume zahlreiche Spiralbögen nebeneinander liegen, ist der Mensch aber auch in Gemeinschaften eingebunden, sei es die Familie, sei es ein Arbeitsteam. Eine gute Partnerschaft setzt sich aus Individuen zusammen, die zwar unterschiedliche Fähigkeiten haben, aber dennoch miteinander harmonieren und alle gleichermassen respektiert werden. Sind die Personen einander zu ähnlich, fehlt eine ausreichende Spannung; herrscht Disharmonie, zerfällt die kreative Spirale.
Wenn Leute zusammenarbeiten, die miteinander harmonieren, vibrieren, sich aber gegenseitig nicht kontrollieren, dann spielt der Zu-Fall – im Sinne von zufallen – eine wichtige Rolle. Es ereignen sich Dinge, die niemand vorausgesehen hat, die aber genau passen. Im Englischen spricht man von Serendipity, einer Art günstiger Vorsehung, die sich aus einer positiven Konstellation heraus ergibt.
Das Miteinander von Menschen hört aber beim Arbeitsteam nicht auf. Zum Erfolg gehört auch, das soziale Umfeld einzubeziehen und die Interaktion mit ihm zu fördern. Jürg Conzett erkennt das soziale Umfeld in den gegenläufigen Spiralbögen der Sonnenblume. Als entscheidend für das kreative Ineinandergreifen dieser zwei Spiralen erachtet er das Zentrum: eine Vision, die Ausrichtung, ein inneres Bild, das alles zusammenhält.
Das Bewusstwerden über die eigene Person, die Potenziale, die in Partnerschaften stecken, und die Interaktion mit dem Umfeld leiten die Aktivitäten der Sunflower Foundation und des MoneyMuseums. Die Beschäftigung mit Geschichte ist für Jürg Conzett, selber studierter Historiker, kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um sich selbst und seine Mitmenschen, sein Umfeld besser zu verstehen. Wenn das MoneyMuseum also Themen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte behandelt, so geht es dabei nicht um die Vermittlung von trockenem Wissen. Die Ausstellung will die Besucher vielmehr dazu anregen, sich über ihren eigenen Umgang mit Geld bewusst zu werden. Das MoneyMuseum soll auch ein Ort der Begegnung, der Interaktion sein. Eben ganz im Sinne der Sunflower-Idee: einer gelebten Philosophie der ständigen Änderung, des Wachstums und des Zusammenspiels von Menschen.
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